anno dazumals

Ich kann mich noch gut an einen Nachmittag vor ein paar Jahren erinnern - es muss so in der dritten oder vierten Klasse der HBLA gewesen sein. So genau weiß ich es nicht mehr, nur dass es schon Frühling oder Sommer gewesen sein muss. Ein paar Freundinnen und ich haben bei der Biegung auf die Straßenbahn gewartet und getratscht, als uns eine ältere Dame unterbrochen hat. Wie wild hat sie sich aufgebärdet, wir sollten uns doch mädchenhafter kleiden und uns die Haare lang wachsen lassen und uns schöne Frisuren machen. Im Großen und Ganzen hat sie uns ein Bild eines Vorzeigeteenies der Fünzigerjahre gezeichnet, in der ja heutzutage keiner mehr passt. Am liebsten hätte sie uns zuhause wahrscheinlich noch in der Schürze vor dem Herd gesehen. An keiner von uns hat sie auch nur ein gutes Haar gelassen. Auch wenn ich mich doch als emanzipiert betrachte, frage ich mich, ob sie nicht doch ein wenig Recht hatte. Diese weiten Röcke und die Schleifen in der langen Mähne waren doch weit besser als schwarze enge Röhrenjeans und Totenköpfe auf den Turnschuhen, oder wo man sie noch überall platzieren kann. Es würde uns allen nicht schaden, wieder etwas weiblicher zu werden, auf uns und unser Aussehen zu achten und sich nicht in einer Pseydorebellion zu verlieren. Keinesfalls gehöre ich zur Fraktion "er ist dazu da das Geld nachhause zu bringen", aber ich finde es auch übertrieben, wenn Frauen die Männer zu sehr untergraben. Ich habe gerne einen Beschützer an meiner Seite, an dessen Schulter ich mich anlehnen kann, von dem ich lernen und den ich für seine Stärke lieben kann. Für den Mann von heute ist es sicher viel schwieriger die richtige Rolle bzw. das richtige Mittelmaß zu finden. Wie wollen wir ihn denn nun? Sensibel, männlich, gefühlvoll, oder ohne jede Schwäche? Und verstehen wir es wirklich so wenig, wenn sich die ältere Generation die alten Zeiten zurückwünschen? Früher war es einfacher, sich den Anforderungen zu fügen. Sie waren klarer vorgegeben, einfacher zu verstehen. Heute widerspricht sich alles und jeder. Ich kann mir vorstellen, dass es schön gewesen wäre, eines dieser unschuldigen Fünzigerjahreteenagermädchen zu sein. Man hätte nicht hinter jeder Ecke nur Unheil und Böses erwartet und für seine Zukunft prinzipiell schwarz gesehen, weil ja früher sowieso alles besser gewesen ist. Denn damals war früher der Krieg und den hätte keiner wieder aufleben lassen wollen. Aber alles was in der Zukunft stand, war voller Hoffnung versehen, voller interessanten Entdeckungen und Versprechungen. Als wenn wir alle schon alles gesehen hätten, sieht heute keiner mehr voller Hoffnung in die Zukunft. So rasant wie in den letzten Jahren kann die Entwicklung kaum weitergehen und über die Wirtschaft denkt man am besten gleich nicht nach. Was ist mit uns geschehen? Ob wieder eine Zeit kommt, in der wir mit Freude und Hoffnung in die Zukunft blicken können?

20.2.09 16:34

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